Sonntag, 6. Juli 2014

christine

von ursula leguin gibt es ein sehr bekanntes fantasybuch namens "a wizard of earthsea", das ich als jugendlicher gelesen habe. in der welt erdsee verleiht das wissen um die wahren namen der dinge enorme macht und es ist die kunst der magier, die bekannten namen zu erlernen und die unbekannten zu erraten.

auch die menschen in erdsee haben wahrnamen und geben sich aus naheliegenden gründen alle mühe, den ihren geheim zu halten. an einer stelle im buch ist von einem heerführer die rede, der den wahren namen seines feindes aus den regentropfen liest, die in den staub des gemeinsamen schlachtfelds fallen. im buch ist es nur ein nebensatz, aber der hat mir starken eindruck gemacht. das wollte ich auch können: die kleinsten zeichen durch richtige deutung zu wissen verdichten.

christine, ende zwanzig, hat einen körper wie ausgedacht und ist neu in meinem bett. es ist leider nicht ganz leicht, sie dort zu behalten, denn sie ist immer in bewegung. nächtliche stadtläufe, cross-europe radtouren, hitchhiking in pakistan – all das liegt bequem in ihrer comfort zone. die leute um christine bleiben auch in bewegung, denn denen sagt sie, was sie zu tun haben. ich schätze sie als dominanten typ ein und denke nicht weiter drüber nach.

nun ist es so, dass in meinem kopf ein magisches eulchen wohnt. es ist die sorte vogel, die regentropfen in den staub von schlachtfeldern fallen sieht. das eulchen zwitschert mir gleich am anfang meiner bekanntschaft mit christine diesen einen satz zu: die muss man anbinden, damit sie still hält.

das eulchen ist weise, ich nich so. und deshalb versuche ich christine in mein bett zu locken, wie ich das eben gelernt habe. und die wochen vergehen und christine ist überall lieber als in meinem bett.

bei unserem dritten treffen erwische ich christine vor der körperpflege und schicke sie duschen. sie leistet widerstand. ich greife sie mir, trage sie ins bad und beginne sie auszuziehen. (wie machen das die schönen frauen, dass sie nach einem verschwitzten tag kein bisschen verschwitzt riechen sondern nur so ein bisschen nach sommerwiese?)

bewegt werden von starken armen, das gefällt jeder frau. aber bei christine ist es mehr. schon als ich sie durchs vorzimmer trage, hält sie sich kaum an mir fest, rutscht mir beinahe durch den griff. was ist denn mit der los? denk ich noch.

als ich im badezimmer mit den knöpfen ihres kleides kämpfe und mir schon dämlich vorkomme, weil die dinger nicht aufgehen wollen, bemerke ich: christine hält die augen geschlossen, atmet ruhig und bewegt sich nicht. zum ersten mal sehe ich diese frau völlig entspannt.

das eulchen flattert und spottet. und endlich, endlich blick ich durch.

zur probe befehle ich ihr, in die wanne zu steigen, sich umzudrehen, vielleicht sogar: ein bein zu heben? (ich weiß es nicht mehr.) sie gehorcht mit dämmerblick. den rest schaffst du allein, sage ich dann, und gebe ihr den duschkopf in die hand. sie erwacht nicht aus ihrer trance, bis ich den raum verlassen habe.

am nächsten tag buddle ich meine drei 10m bondageseile aus und übe ein paar knoten.

ich hab schon als kind davon geträumt, wehrlos festgeschnallt in einem krankenhausbett zu liegen, sagt christine, unbekleidet auf dem bauch liegend, hände überm arsch, die arme per marlschlag gestreckt auf den rücken gefesselt.

ich: und später?
sie: auch.
ich: und hast du es mal ausprobiert?
sie: ja klar.
ich: wann war das?
sie: heute.

immer aufmerksam bleiben. hört auf eure eulen. achtet nach großen schlachten auf die ersten regentropfen. die sind ganz groß und fallen sehr vereinzelt, das ist wegen dem aufwind in der gewitterwolke. davon wiederum haben magische eulchen keine ahnung.

immerhin!

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